Ursachen

Zur Zeit sind nach wissenschaftlichem Stand die lerntheoretischen Erklärungsmodelle die einflussreichsten.

Diese Erklärungsmodelle gehen davon aus, dass die Angstreaktion von eigentlich nicht zwingend gefährlichen Situationen oder Objekten durch klassische Konditionierung erlernt wird. Das Grundprinzip dieses Lernvorganges besteht darin, dass eine Person einem Stimulus ausgesetzt ist, der auf gelernte oder angeborene Art und Weise eine Angstreaktion auslöst (z. B. ein lauter Knall oder ein Autounfall). Währenddessen ist aber die betroffene Person meist nicht nur einem Stimulus ausgesetzt, sondern einer Vielzahl von Reizen. So könnte man sich beispielsweise vorstellen, dass kurz vor dem Unfall ein Reh über die Straße gelaufen ist oder dass man sich während eines lauten Knalls im Wasser befunden hatte. Wenn die Angst in diesen Situationen groß genug gewesen ist, kann das Reh oder das Wasser (bzw. das Schwimmen im Wasser) als sogenannter konditionierter Reiz ebenfalls Angst (konditionierte Reaktion) auslösen. Die Angst, die auf den zuvor neutralen Reiz folgt, wird nun durch operante Konditionierung aufrecht erhalten: Der zuvor neutrale Reiz dient nun als diskriminativer Hinweisreiz, der zur Vermeidung der angstauslösenden Situation führt. Durch den Wegfall der erwarteten aversiven Reaktion (der Angst) wird der zuvor neutrale Reiz negativ verstärkt und die klassische konditionierte Angstreaktion nicht mehr gelöscht: Die phobische Angst durch das Vermeiden des phobischen Stimulus aufrechterhalten und verstärkt.

Dieses recht alte verhaltenstherapeutische Erklärungsmodell ist im Laufe der Zeit um das sogenannte Modelllernen und bestimmte kognitive und biologische Anteile erweitert worden. Zu den biologischen Erklärungsmodellen gehört z. B. die Annahme, dass bestimmte Stimuli eher dafür geeignet sind, eine konditionierte Angstreaktion auszulösen (z. B. Spinnen oder Schlangen); Stichwort: „Preparedness“. Hierfür werden Strukturen im Mandelkern verantwortlich gemacht.

Nonassoziative Erklärungsmodelle postulieren, das es einige wenige biologisch angelegte und evolutionär relevante Ängste gibt, deren Bewältigung erlernt werden muss. Phobien entstehen demnach nicht durch Expositon mit einem angstauslösenden Stimulus, sondern durch ungenügende Exposition oder Unterschiede in der Habituation.

Spezifische Phobien gelten innerhalb der psychoanalytischen Theorie immer als Verschiebung von Angst auf einen Gegenstand oder eine Situation. Die Verschiebung gehört innerhalb der psychoanalytischen Theorie zu den Abwehrmechanismen. Eine Angst vor einer bestimmten Vorstellung wird verdrängt und tritt dann in veränderter Form, also beispielsweise als Angst vor Spinnen oder eben Dunkelheit und Gewitter, wie es sich im Falle einer phobischen Störung im Kindesalter verhält, auf.

Die verdrängten Ängste und Konflikte können ganz unterschiedlicher Art sein. Auch Trennung, Eifersucht und dergleichen können hier angstauslösend wirken. Wichtig hierbei ist, dass die Verschiebung der Angst vor einer bestimmten Vorstellung beim Kind auf eine äußere Situation oder ein Objekt zwei wichtige Funktionen hat. Ein äußeres Objekt oder eine Situation kann aktiv gemieden werden, im Gegensatz zu einer (ängstigenden) Vorstellung, die zwangsweise auftreten kann; zweitens kann dadurch eine Beziehung konfliktfrei gehalten werden, da die Angst ja auf ein anderes Objekt oder eine andere Situation verschoben wurde. Ein einfaches Beispiel wäre hier, dass ein Kind nicht Angst vor Trennung von der Mutter, sondern vor dem Alleinsein im Dunkel bekommt. Mit Angst wird eine andere Angst abgewehrt

Welche Art von Phobie so entsteht, ist abhängig von dem Entwicklungsstand des Kindes. Kleinere Kinder werden eher eine Angst vor Gewittern entwickeln als vor Spinnen, wie dies bei reiferen Störungen der Fall ist. Auf welches äußere Objekt nun die Angst verschoben wird, könnte auch mit den Symbolisierungsvorgängen zusammenhängen. Dabei würde die Angst vor einem Objekt entstehen, was symbolisch die reale, aber verdrängte Angst darstellt. Auch einfache Konditionierungen könnten eine Rolle spielen

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die spezifischen (isolierten) Phobien besser mit den oben genannten Theorien zu erklären sind als die Agoraphobie oder die sozialen Phobien.
 

Beispiel Nr. 49 | Sonstiges28.gif

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