Aus aktuellem Anlass haben wir uns entschlossen, eine Seite einzufügen, die zwar auch mit Bau zu tun hat, aber nicht mit unserem:

die Brücke direkt neben unserer Mühle ist baufällig und soll neu errichtet werden. Dieses Vorhaben scheint sich zu einer Posse zu entwickeln, die es verdient, festgehalten zu werden.

 

Nachfolgend ein Artikel aus der "Frankenpost"vom 6.7.06, die uns freundlicherweise die Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilte.

 

Eigenes Bild Nr. 2

Hier der Artikel in "Reinschrift":

In Schottenhammer muss die Brücke über die Culmitz neu gebaut werden. Die Frage ist nur, wann dies geschieht und wie breit sie werden soll. Darüber diskutierte der Bauausschuss Naila in seiner Sitzung am Dienstag.

Vor etwa acht Wochen brach die Brücke hinter einem Traktor, der darüber fuhr. Seitdem liegt eine Metallplatte über der schadhaften Stelle. Bis zum Winter, so Bürgermeister Frank Stumpf und Stadtbaumeister Reiner Franz, müsse die Brücke erneuert werden, denn Schneepflüge könnten auf der beschädigten Fahrbahn nicht räumen.

Mit dem Bau befindet sich die Stadt Naila in der Klemme. Einerseits soll die Brücke schnell fertig werden, andrerseits soll die Regierung von Oberfranken Zuschüsse gewähren, wozu ein längeres Prüfungsverfahren und die Einhaltung bestimmter Vorgaben notwendig ist. Die neue Brücke kostet etwa 165.000 Euro, davon würde die Regierung 75.000 Euro übernehmen.

"Es ist ein unglücklicher zeitlicher Druck entstanden", so Stumpf. Damit die Zuschüsse fliessen, muss die Strasse als Gemeindeverbindungsstrasse ausgewiesen werden, die neue Brücke muss mindestens 100.000 Euro kosten und eine Fahrbahnbreite von 4,50 Meter haben, dazu kommen noch seitliche Brückenkappen mit jeweils 0,75 Meter Breite. Die jetzige Brücke, die nicht mehr saniert werden kann, ist 3,40 Meter breit.

Nach den ursprünglichen Wünschen des Wasserwirtschaftsamtes sollte die neue Brücke so ausgelegt werden, dass sie die Wassermassen eines so genannten hundertjährigen Hochwassers durchlässt: dies sind errechnete 22 Kubikmeter pro Sekunde.
Die jetzige Brücke ist für 4 Kubikmeter ausgelegt. Stadtbaumeister Franz berichtete, er habe mit dem Wasserwirtschaftsamt verhandelt und erreicht, dass 9 Kubikmeter als ausreichend angesehen werden.

Mehrere Stadträte und auch Anwohner äusserten sich in der Sitzung des Bauausschusses kritisch zu der geplanten Breite und zu den Kosten. Werner Hick (SPD) meinte, die Brücke hätte schon vor fünf Jahren erneuert werden müssen. Lutz Pfeiffer (CSU) gab zu bedenken, dass "wir die Sache jetzt über´s Knie brechen". Es sollte doch ein ausgereifter Plan zum Tragen kommen und man müsse auch die Kosten im Auge behalten. "Vorher haben wir eine schmale Strasse, dann kommt die breite Brücke und dann wieder die schmale Strasse." Das mache doch keinen Sinn.

Der Stadtbaumeister räumte ein, dass die Brücke tatsächlich überdimensioniert sei und dass die Landwirte, die auf die Brücke angewiesen sind, mit einem halben Meter mehr zufrieden wären. Das Bauwerk solle aber nicht nur für die nächsten drei oder vier Jahre halten, sondern möglichst hundert Jahre.

Leonhard Crasser (Aktive Bürger) wies darauf hin, dass der Stadtrat wegen der Zuschüsse nicht nach Gutdünken handeln könne. "Wir sollten froh sein, dass wir beim Bau nicht das hundertjährige Hochwasser berücksichtigen müssen."

Gerhard Reith aus Schottenhammer, der die denkmalgeschützte alte Mühle direkt neben der Brücke saniert, klagte, dass hier ein "ingenieurtechnisches Monument" entsteht: "Weil Sie arm sind, müssen Sie grösser bauen".

Stadträte und Bürgermeister kamen schliesslich überein, nochmals mit der Regierung von Oberfranken zu verhandeln, um eine Förderung auch bei geringerer Breite zu erreichen. schn

Eigenes Bild Nr. 3

Links im Bild unsere Mühle, sie ist so nah an der Brücke, dass uns die Neugestaltung nicht egal sein kann.

Die Stadtratssitzung führte leider nicht zu einer Entwarnung. Nachfolgend ein Artikel der Frankenpost, der auch im Internet
erschien:

02.08.2006
Brücke wird erst nächstes Jahr gebaut

Die Brücke über die Culmitz bei Schottenhammer wird in diesem Jahr nicht mehr gebaut. Das hat der Stadtrat Naila in seiner
jüngsten Sitzung beschlossen.
NAILA – Wie berichtet, muss die Brücke erneuert werden, weil sie vor einigen Wochen eingebrochen ist. Sie ist provisorisch
mit einer Stahlplatte gesichert.

Die Brücke, die jetzt 3,40 Meter breit ist, muss mindestens sechs Meter breit werden, damit sie von der Regierung von Oberfranken bezuschusst wird: 4,50 Fahrbahnbreite plus beidseitig 0,75 Zentimeter breite Brückenkappen. Dagegen hatten die Anwohner
protestiert. Sie waren aus ästhetischen und finanziellen Gründen gegen das große Bauwerk, das in dieser Breite niemand
brauche und das nur die Landschaft verschandele.

Bürgermeister Frank Stumpf erklärte, dass er nochmals mit den Behörden gesprochen habe, um eine Förderung auch bei
geringerer Breite zu erreichen, doch dies habe die Bezirksregierung abgelehnt. Die Brücke müsste so breit sein, dass sie „
LKWs und landwirtschaftliche Fahrzeuge auch im Begegnungsverkehr aufnehmen“ könne. Für die Planung von landwirt-
schaftlichen Wegen sei eine Breite von 4,50 Metern vorgegeben. „Ein Unterschreiten würde sich mit den Förderrichtlinien
nicht vereinbaren lassen“, zitierte Stumpf den zuständigen Sachbearbeiter.

Lutz Pfeiffer (CSU) wies auf den Widersinn dieser Aussage hin: „Man fordert Begegnungsverkehr auf der Brücke, wenn vorher
und nachher keiner möglich ist.“ Er sehe aber die Chance, dass das „Monumentalbauwerk“ doch abgewendet werden könne.
Man sollte sehen, ob man die Brücke nicht so schmal und günstig bauen könne, dass die Kosten für die Stadt nicht höher seien
als der Eigenanteil bei einer Förderung.
——————

„Monumentalbau“

——————
Darauf entgegnete Ingenieur Ralf Büntig vom Nailaer Planungsbüro USS-Consult, bei dem Brückenbau gebe es einiges, was die
Sache teuer mache: So kreuzten sich Brücke und Bach nicht rechtwinkelig; das Bachbett habe nicht genügend Gefälle für eine
niedrige Brücke und der Bau werde eingeengt durch das nahe Haus, für das eventuell eine Spuntmauer notwendig werde.
Schließlich beschloss der Stadtrat, den Bau auf das nächste Jahr zu verschieben. Damit die Brücke im Winter befahrbar ist,
werden vollflächig 2,5 Zentimeter dicke Stahlplatten aufgelegt, sodass auch das Milchauto darüber fahren kann. Die Kosten
betragen etwa 5000 Euro. schn

___________________________________________________________________

Und vielleicht sieht die Brücke nächstes Jahr so aus?

Eigenes Bild Nr. 4

---------------------------------------------------------------------------------------

Die Sommer-Pause ist vorbei, das Theater leider nicht.

Am 19. September fand erneut eine Bauausschuss-Sitzung statt. Neues Spiel, neues Glück?

Ausschnitt aus der Frankenpost vom 21.09.06

Eigenes Bild Nr. 4

Ich fasse mal alles zusammen:

Die neue Brücke muss 6 Meter breit sein, sonst gibt es keine Zuschüsse.
Die geplante neue Brücke kostet 165.000 €, dank Zuschüssen muss die Stadt Naila "nur" 90.000 € selbst berappen.

Vorgelegte Alternativen, zwar beide über 100.000 €, sind angeblich nicht stabil genug, als dass sie lange haltbar wären.

Ein nicht allzu ernst zu nehmendes Hindernis scheint der Denkmalschutz zu sein. Gemeint sind damit die untere
Denkmalschutzbehörde in Hof/Saale und das Landesamt für Denkmalschutz mit Sitz in Bamberg. Diese Behörden
müssen den geplanten Bau genehmigen, ihre Zustimmung ist jedoch laut Stadtbaumeister Franz eine Formsache.

Naja, wir haben schon im August beiden Denkmalschutz-Behörden den Sachverhalt in einem Schreiben dargelegt.
Jetzt sind wir gespannt, wie sie entscheiden werden.

-----------------------------------------------------------------------

Am 16. Oktober 2006 haben wir ihre Entscheidung mündlich vernommen, eine grössere Abordnung von
Denkmalschutz- und Baubehörde war so freundlich und stattete der Brücke einen Besuch ab.
An dieser Stelle ein Dankeschön dafür!
Wer die halbe Stunde nachvollziehen will: hier unser Gedächtnisprotokoll .

Herr Dr. Kahle, ein Mann mit 27-jähriger Erfahrung im Denkmalschutz und Brückenbau, bezeichnete das Bauvorhaben
der Stadt Naila als absurd, legte uns jedoch ausführlich klar, dass seine Behörde, immerhin das bayerische
Landesamt für Denkmalschutz, nichts gegen derartige Bauplanungen in der Hand hätte. Dr. Kahle war der Ansicht,
dass Mühle und Brücke zwei voneinander unabhängige Bauwerke seien und auch eine unangemessen
grosse Brücke das Erscheinungsbild und Wesen der Mühle nicht beeinträchtigte.

Dabei hätte er sich als erfahrener Konservator durchaus auf das Denkmalschutzgesetz berufen können,
das in Art.6 ein sogenanntes Veränderungsverbot vorsieht, wenn "gewichtige Gründe des Denkmalschutzes
für die unveränderte Beibehaltung des bisherigen Zustands sprechen".

Aber schon im Sommer 2004 beklagte Henning Biedermann im bayerischen Kulturmagazin Capriccio den Ruin der
deutschen Geschichte:

"....Schwerwiegender ist, dass wir durch den staatlichen Rückzug aus der Denkmalpflege große Teile unseres
historischen Erbes unwiederbringlich verlieren werden - nicht die großen Nationaldenkmäler
(für die wird die Politik schon sorgen), sondern vieles von dem, was für ein Dorf, eine Kleinstadt, eine Region
historische Bedeutung hat, was uns einen Begriff von Heimat vermittelt und Identität gibt. Es kann nicht
allein die Aufgabe von einzelnen Bürgern und kleinen Kommunen sein, diesen historischen Reichtum für
kommende Generationen zu bewahren." (http://www.br-online.de/kultur-szene/capricci/report/thema040704_3.html)

------------------------------------------------------------

Ein Jahr später:

Die Stadt Naila war fleissig und liess eine Ausschreibung für zwei Brückenvarianten erstellen - so ein Stadtratsbeschluss
vom Mai 2007.

Die eine Variante sieht eine kleine Brücke vor, ca. 4 Meter breit und eigenfinanziert; die zweite entspricht dem ursprünglichen und umstrittenen grossen Bauwerk von ca. 6 Metern Breite, grösstenteils finanziert durch staatliche Zuschüsse.

Besprochen war, die Ergebnisse der Ausschreibung zu diskutieren...... Und was passiert ?

Urplötzlich ist alles geheim und soll allem Anschein nach in nichtöffentlichen Sitzungen entschieden werden.
Da wir befürchten, dass die Stadträte - ohne öffentliches Aufsehen - dazu gedrängt werden sollen, dem Bau einer
unangemessen grossen Brücke zuzustimmen (sie ist ja dank öffentlicher Gelder billiger als eine kleine), haben wir an die
Stadträte einen offenen Brief geschrieben:


-----------------------------------------------------

Kurzer Zwischenbericht, Juli 2008:

Der Stadtrat hat die "Zuschuss-Brücke" beschlossen, mehrere Verhandlungen mit der Stadt sind gescheitert.

Da zur Bauausführung Grund von uns benötigt wird, Bäume und Sträucher abgeholzt werden und zu guter Letzt
unsere denkmalgeschützte Bachmauer abgerissen werden soll, haben wir uns verweigert.

Ein Antrag der Stadt Naila auf "vorzeitige Besitzeinweisung" (das ist eine Enteignung auf die Schnelle) hatte beim
Landratsamt Hof Erfolg.

Jetzt bleibt uns nur noch der Gang vor das Verwaltungsgericht.

 

Kurz und knapp: das Verwaltungsgericht hat nach langem Hin und Her für den Brückenbau entschieden, die Brücke wurde im
Sommer 2009 gebaut und die Bachmauer neu errichtet.

Uns gefällt sie nicht.  

 


Eigenes Bild Nr. 21 | neubruecke.jpg

 




Kostenlose Homepage von HpS4u Datenschutz
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der/die Autor/in