Weihnachten mit Weihnachtsfrau
 
Warum niemand die Weihnachtsfrau kennt
 

Es war vor vielen, vielen Jahren an Weihnachten. Damals war der Weihnachtsmann fürchterlich unglücklich, denn er war schwer erkrankt und musste das Bett hüten.

Wer sollte nun die Weihnachtsgeschenke zu den Menschen auf der Erde bringen?

So sehr er sich auch bemühte, er hatte keine Idee. Die Rentiere konnten doch nicht allein zur Erde fliegen. Sie hätten die Geschenke niemals verteilen können. Denn sie konnten ja schließlich nicht die Namen auf den Geschenken lesen. Was hätte das wohl an Verwechslungen gegeben. De kleinen Kobolde aber, welche zusammen mit den Englein dem Weihnachtsmann halfen die Geschenke zu verpacken, sie waren viel zu klein um mit dem Schlitten zu den Menschen zu fliegen. Die Gefahr, sie könnten aus dem Schlitten fallen, war viel zu groß. Und die Englein fürchteten sich viel zu sehr, um alleine mit dem Schlitten loszuziehen.

Was tun? Sollte Weihnachten wirklich ausfallen?

Der Gedanke daran war einfach unvorstellbar und betrübte alle im Himmel.

Da kam die Weihnachtsfrau auf die Idee den Job des Weihnachtsmannes zu übernehmen.

Davon war der Weihnachtsmann überhaupt nicht begeistert. Doch die Weihnachtsfrau ließ sich nicht beirren. Sie sprach zum Weihnachtsmann: „Ist dir lieber, dass Weihnachten ausfällt oder dass die Menschen dieses Jahr eine Weihnachtsfrau beschenkt? Denk doch einmal darüber nach ...“

„Du hast ja Recht, Weihnachten darf nicht ausfallen, das würden uns die vielen Kinder auf der Erde niemals verzeihen. Also gut, dann mach du es, ich habe ja gar keine andere Wahl als dich fahren zu lassen. Aber glücklich bin ich nicht darüber.“

Gesagt – getan, sofort wurde der Schlitten beladen.

Während dessen zog sich die Weihnachtsfrau die Kleidung vom Weihnachtsmann an und klebte sich einen langen Bart an, den sie sich aus Watte gebastelt hatte. Dann ging die Fahrt los. Aber weil die Weihnachtsfrau noch niemals mit dem Schlitten unterwegs war wurde es eine so wilde Fahrt, dass bereits nach wenigen Metern der Bart verloren ging.

So blieb nur noch die Hoffnung, dass alle Kinder schliefen. Schließlich sollte sie ja niemand sehen.

Das ging lange Zeit gut, denn in den Häusern waren die Lichter gelöscht und alle schliefen in ihren Betten.Aber als die Weihnachtsfrau am letzten Haus ankam, da sah sie einen güldenen Schein.

Was sollte sie tun?

Sie konnte doch nicht die Geschenke für die Kinder in diesem Haus wieder mitnehmen. Es blieb nichts anderes übrig als zu warten. Doch ganz gleich wie lange sie auch wartete, das Licht wollte nicht verlöschen. Und so blieb der Weihnachtsfrau nichts anderes, als mit den Geschenken durch den Kamin ins Haus zu rutschen.Sie tat es in der Hoffnung, dass die Kinder des Hauses sie nicht sehen würden.

Doch kaum im Haus, sah sie in zwei rehbraune Kinderaugen, die sie ganz verblüfft anschauten.Und dann hörte sie ein glockenklares Lachen.

„Wer bist du denn?“ Das kleine Mädchen, das vor der Weihnachtsfrau stand, prustete vor Lachen.

„Ich bin die Weihnachtsfrau. Und wer bist du?"

"Ich bin Karina. Aber es gibt doch nur den Weihnachtsmann, ich habe noch nirgendwo gehört, dass es auch eine Weihnachtsfrau gibt. Also wer bist du?“

„Das habe ich dir doch eben schon gesagt, ich bin die Weihnachtsfrau. Der Weihnachtsmann ist krank und konnte dieses Jahr nicht kommen. Und du wärest doch sicher ganz furchtbar enttäuscht gewesen wenn du gar keine Weihnachtsgeschenke bekommen hättest, oder?“

„Das stimmt!“

„Nun, ist es dann nicht egal wer sie dir bringt?“

„Doch, eigentlich schon ...“

„Na siehst du, deshalb habe ich sie dir gebracht. Und wenn du möchtest, dann nehme ich dich mit zum Weihnachtsmann und bringe dich später wieder zurück. Willst du?“

„Au ja!“

„Dann komm mit.“ Mit diesen Worten reichte die Weihnachtsfrau dem kleinen Mädchen die Hand.

„Darf Chris, mein Brüderchen, auch mitkommen?“

„Wo ist er denn?“

„Im Bett, doch ich gehe ihn aufwecken. Bitte warte so lange auf mich.“

„Na gut, ich warte. Aber ich kann nicht lange warten, denn sonst komme ich viel zu spät wieder im Himmel an. Und dann würde sich der Weihnachtsmann ganz große Sorgen um mich machen.“

„Bin gleich wieder da“, und schwupps weg war das Mädchen.

Schon einen Moment später stand sie wieder da, den kleinen Bruder an der Hand, der ganz verschlafen aussah. Sogleich stiegen die Kinder mit der Weihnachtsfrau in den Schlitten, der einen gewaltigen Satz machte.

Hey war das eine Fahrt, die blitzschnell vorüber ging. Der Himmel tat sich auf und der Schlitten landete. Wie sehr staunten die Kinder da, denn alle Kobolde kamen zusammen um von der Weihnachtsfrau zu erfahren wie es ihr auf der Erde ergangen war. Schließlich hatten die Kinder ja noch niemals einen Kobold gesehen. Nur für die Englein hatte der Ausflug der Weihnachtsfrau zu lange gedauert, sie schliefen bereits selig in ihren Himmelbettchen.

Noch bevor die Kinder etwas sagen konnten fragten die Kobolde, ob sie den Kindern den Himmel zeigen dürfen. Da sie es durften zeigten sie den Kindern sogleich das ganze Weihnachtsland. Mann war das eine Schau. Die Kinder waren begeistert von dem, was sie alles zu sehen bekamen.

Zu gerne wären sie etwas länger im Himmel geblieben. Doch schon hörte man den Weihnachtsmann, der mehr als überrascht über diesen Besuch war, zum Aufbruch mahnen. Er brummte: „Was ist denn das für ein Unfug, der da passiert ist. Man kann doch nicht einfach ein paar Kinder mit ins Weihnachtslandl bringen … - jetzt aber nichts wie zurück.  Die Kinder müssen noch in dieser Nacht zurück auf die Erde." Sonst hätten sie für immer im Himmel bleiben müssen. Und das ging natürlich nicht, denn es hätte die Eltern der Kinder sicherlich ganz furchtbar unglücklich gemacht.

Also blieb nichts anderes übrig, als sich geschwind von allen zu verabschieden und wieder in den Schlitten zu klettern. Aber dieses Mal ließ es sich der Weihnachtsmann nicht nehmen die Kinder selbst zur Erde zu fliegen, zu groß war seine Sorge, dass die Weihnachtsfrau noch mehr Unsinn machen könnte.

Er ließ sich beim Anziehen helfen und kletterte, ganz dick eingemummelt, zu den Kindern in den Schlitten. Die Weihnachtsfrau ebenfalls. Denn der Weihnachtsmann war viel zu krank, um den Schlitten allein mit den Kindern zu fliegen. Und schon ging die Fahrt los.

Kaum im Zuhause der Kinder angekommen brachte die Weihnachtsfrau die Kinder in ihre Betten, las ihnen noch ein Märchen vor und sagte ihnen gute Nacht. Sofort fielen den Beiden die Augen zu.

Auf diesen Moment hatte die Weihnachtsfrau gewartet. Denn nun konnte sie die Kinder mit einem Zauber belegen, so dass sie am nächsten Morgen überzeugt davon waren, das Ganze nur geträumt zu haben.
 

Fortan ließ der Weihnachtsmann seine Frau nie wieder zur Erde, ganz gleich wie es ihm ging. Und genau deshalb ist es auch heute noch so, dass jeder nur den Weihnachtsmann, nicht aber die Weihnachtsfrau, kennt.

 

© Gisela Segieth

 


 
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