Der alte Mann und die Bank


Der alte Mann und die Bank

So richtig nett ist´s nur im Bett

ach, wenn ich doch ein Liebchen hätt

das könnte wärmen mich sogleich

so dass ich fühlte mich ganz reich.

Doch so ist es mir allzu kalt

ich fühl mich fast wie in nem Wald

unter der Decke aus Papier

ich bitterlich noch immer frier.

Die Bank, auf der ich liegen muss

gibt mir auch keinen Hochzeitskuss

sie knarrt, sagt mir „lass mich in Ruh“

ich seh dabei den Wolken zu.

Sie ziehen hin, sie ziehen her

mir wird dabei die Seele schwer

ich frag mich „was hab ich gemacht?“

dass ich werd ständig ausgelacht.

Die Kiste unter meinem Kopf

erinnert mich, mich armen Tropf

daran, dass meine Zeit verrinnt

eh sich ein Mensch auf mich besinnt.

Der Himmel über mir, er weint

ja, glaub mir, es nicht nur so scheint

er öffnet mir sein großes Tor

und bringt den Regen gleich hervor.

Mit ihm kommt nun auch ganz geschwind

des Regens Bruder, dieser Wind

er bläst und tobt gleich voller Wut

mir geht es dabei gar nicht gut.

Als hätten´s nicht genug gelacht

kommt jetzt auch noch die dunkle Nacht

senkt ihren Vorhang auf mich nieder

als gäb sie her mich niemals wieder.

Mir selbst wird dabei angst und bang

oh je, wie ist die Nacht so lang

da ich allein hier liegen muss

wo niemand hat für mich nen Gruß.

Ich alter Mann spür meine Glieder

doch alle Tage, immer wieder

sie schmerzen mich, sie tun mir weh

ich spring schon lang nicht mehr wie´n Reh.

Noch immer denke ich zurück

an Zeiten, die für mich voll Glück

einst waren, wo es mir ging gut

und ich hatt täglich neuen Mut.

Ganz müde schlafe ich nun ein

warum muss ich so einsam sein

ja, warum ist auf dieser Welt

denn nie ein Bett für mich bestellt?

Was muss denn alles noch passiern

warum muss ich so bitter friern

warum ist niemand für mich da

so wie ich dies für andre war?

Hallo, was ist denn nun geschehn

in wessen Augen muss ich sehn

wer weckt mich da, wer deckt mich zu

ja, sag mir, wer raubt mir die Ruh?

Das kann doch einfach gar nicht sein

ich merk, ich bin nicht mehr allein

was ist denn das nun für ein Licht

wer leuchtet mir da ins Gesicht?

Ein Schutzmann ist´s, er nimmt mich mit

er meint, ich sei schon lang nicht fit

genug für diese alte Bank

ich sähe ihm doch aus sehr krank.

Er bringt mich schnell ins Krankenhaus

wo man mir zieht die Schuhe aus

ja, wo man legt mich gleich ins Bett

ach, schlaf ich nun so herrlich nett.

Zum ersten Mal in meinem Leben

ist auch für mich ein Bett gegeben

hier möcht ich bleiben, möcht ich schlafen

"Au!" mit ner Nadel sie mich trafen.

Oh weh, was soll denn das nun heißen

muss ich im Bett ins Gras nun beißen

ach, wär ich nur auf meiner Bank

hier werde ich ganz sicher krank.

Wenn ich hier raus bin, Ihr könnt´s glauben

wird niemand mir den Schlaf mehr rauben

nein, denn dann sag ich „Gott sei Dank“

zu meiner guten alten Bank.

Jetzt weiß ich, dass es ist nicht nett

hier drin, im Krankenhaus im Bett

wo man mich piesackt, man mich quält

und wo man Storys mir erzählt.

Dort draußen, da gehör ich hin

wo ich stets krieg nen frohen Sinn

wo man mich kennt und neckt dazu

denn das schenkt mir stets Seelenruh.

Deshalb ich auch mein Päckchen schnür

und raus bin ich, sofort zur Tür

lauf schnell davon, man denkt es kaum

vor meinem Mund bildet sich Schaum.

Die Bank erreich ich gerade noch

da tut sich auf vor mir ein Loch

ich stürze rein, komm nicht mehr raus

mein Leben ist vorbei , welch Graus.

Doch ich komme im Drüben an

wo ich ganz herzlich lachen kann

denn dort erwartet mich ein Bett

in dem ich schlafe fortan nett.

Die Bank ich von hier oben seh

jetzt schon liegt sie im tiefen Schnee

ich sage „danke“ noch einmal

auf dir war´s doch nicht so ne Qual.

Schenk du nun Ruh den andern Leut

so dass sich auch ihr Herz erfreut

ich werde dich vergessen nimmer

in einem Bett war´s für mich schlimmer!

 

 © Gisela Segieth

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