Hier wird Frank das Wort an Euch richten. Er wird seine Geschichte, wie er im Sumpfe des Alkohols versank hier niederschreiben. Ich bin so stolz auf Ihn, das er sich aus diesen Sumpf wieder heraus gezogen hat. Da ziehe ich zur jeder Zeit meinen Hut vor.....

Irgendwie kann ich es manchmal gar nicht so recht verstehen, wie so ein liebenswürdiger Mensch, den ich über alles und vom ganzem Herzen liebe, so versinken kann.

...nun gebe ich das Wort an Frank ab.......

 

Eigenes Bild Nr. 22

 

Nun, ich weiß gar nicht so Recht, wie ich anfangen soll. Also - erst mal die Fakten: Ich bin ein trockener Alkoholkranker. Ich habe 4 Entgiftungen hinter mir, die letzte "absolvierte" ich vom 14. - 18. April 2005 in Neuss (bei Düsseldorf). Ich kann es einfach nicht sagen, warum ich ausgerechnet nach dieser Entgiftung meine "100%igkeit" des Gefühls des Nichttrinkens bekommen habe. OK - es gibt da natürlich einige Leute/Einrichtungen, die mir geholfen haben, die auch einfach an mich geglaubt hatten. ICH selber hatte MICH vorher nämlich aufgegeben. Zum einen war da die Ordendsgemeinschaft der Armenbrüder, die mich nach meiner etwa 3-monatigen Obdachlosigkeit aufgenommen hatten. Hier hatte ich das Glück, sehr liebe, hilfsbereite Sozialarbeiter zu haben, zu nennen der Rudi, der mich aus dem Krankenhaus geholt hatte - und der mich sehr "rangenommen" hatte, wofür ich ihm bis an mein Lebensende dankbar sein werde. Dann ist da die Steffi - der ich gleichermaßen dankbar bin, wir haben in zahllosen, langen Gesprächen (nicht nur meiner Krankheit betreffend) sehr viele Erkenntnisse gewonnen, die mich wirklich nach vorne gebracht haben. Immerhin begleiteten sie mich fast 1 1/2 Jahre im Betreutem Wohnen in Düsseldorf-Angermund.

In dieser Zeit (nach der Entgiftung) habe ich in der Diakonie meine Therapie gemacht. Es begann mit der Motivations-Phase (Gruppe mit Therapeut), die etwa 5 Monate dauerte. Dann die wichigste Zeit in meinem "neuen Leben" - die Ambulante Psychotherapie, in der ich sehr viel über mich und der Krankheit erfahren habe. In dieser Zeit wurde ein Begriff für mich zum Symbol des "Überlebens" - nämlich die ERKENNTNIS. Die Grund-Erkenntnis meines Seins, meines Trockenseins, ist die ERHLICHKEIT mit sich selber. Ich habe gelernt, dass der Selbstbetrug im weitestem Sinne mein Untergang sein wird. Ich verlor dadurch sehr viel Ballast und bin froh, dass ich so befreit und offen leben kann. Die Wahrheit tut manchmal weh - aber es ist für mich (und anderen) dann geklärt und aus der Welt geschafft. Ich Trage keinen unnötigen Ballast mit mir herum, der mich in den vorangegangenen Jahren, Jahrzehnten kaputt gemacht hat... So, nach der Ambulanten Thera kam die Nachsorge, die ich mit einem Einzelgespräch bei meiner "Haupt-Therapeutin" abschloss. Diese Therapie, meine betreutes Wohnen und mein 1-€-Job bei der SWT Düsseldorf waren die Stützpfeiler meines Trockenseins. Als 4. und wichtigster Stützpfeiler kam dann während der Therapie: meine MARION!

Marion kam zu einem Zeitpunkt in mein Leben, wo ich eigentich keine Freundin kennenlernen sollte - so meine Therapeuten und Sozialarbeiter. Ich solle erst "mein Haus" in Ordnung bringen, bevor ich eine fremde Person hineinlasse. Zumal diese Person selber ein "Psycho-Fall" war (ist), mit Ihrer Angstkrankheit sicher nicht die Stütze in derzeitigen Situation sein konnte. Aber ich (wir) habe meine Theras eines Besseren belehrt - und das Erstaunliche dabei war, dass sie schmunzelnd zugestanden haben, dass es funktioniert.

So, das war in aller Kürze der Weg von meiner letzten Entgiftung zum Trockensein heute. Seit 3 Monaten etwa besuche ich hier im Sauerland eine liebe Selbsthilfegruppe (Kreuzbund) - und auch hier ist es wieder erstaunlich, wie sehr ich diese Gruppe "brauche". Ich hätte das früher nie geglaubt, dass der Kontakt zur "Basis", wie ich das immer nenne, so enorm wichtig für mich ist. Der Alkohol wird weiterhin mein ständiger Begleiter im Leben sein. Ohne wenn und Aber. Er wird mein Feind bleiben, egal wo ich bin, was ich denke, mit wem ich zusammen bin - was ich tue. Der Alk ist ein tötliches Utensil, das ich NIE wieder in meinem Leben zu mir nehmen will. Weil ich weiß, welche fatalen Folgen das für mich, meine Beziehung - mein Leben sein würde. Am Ende steht der Tod. Mein Leben würde ich leichtsinnig wegwerfen, wenn ich wieder anfangen würde zu trinken. Das weiß ich - und werde danach leben. 

Eine kleine Chronologie meines Trockenwerdens stelle ich hier mal rein, ich habe sie notiert in unserem Forum ( www.sauerlandseelen.foren-city.de ):

Wenn ich noch an die erste Zeit denke - meine Güte... 14 Tage war meine letzte Entgiftung lang - meine "beste", sage ich mal. Sie fand in Neuss (bei Düsseldorf) statt - und kam dahin, als ich schon den 1-€-Job hatte. Naja, und ich war "frisch" in der Außenwohngruppe der Ordensgemeinschaft der Armen Brüder - Betreutes Wohnen also. Ich weiß noch - meine damalige Sozialarbeiter fanden mich in T-Shirt und Unterhose heulend auf der Terasse sitzend, völlig fertig und heruntergekommen. Ich hatte Tage zuvor ein schlimmes Erlebnis in der Stiftung, wo ich arbeitete - es ging um Ungerechtigkeit im hohen Maße - nun, das hatte ich nicht verkraftet. Die Sozialarbeiterin zwang mich förmlich da im Büro - mir selber ein Khs zu suchen, wo ich entgiften könne... Mit zitternden Händen und Schweißausbrüchen klapperte ich 2-4 Khs ab - habe dann tatsächlich mit eigener Kraft einen Einweisungstermin erhalten.

So, ich wurde durch einen Soz.Arb dort hin gefahren und wude aufgenommen - für mich war das ja schon fast Routine. Ich bekam 2 Tage lang Tabletten, damit ich keine Krampfanfälle bekomme und natürlich ruhiger werde. Die Entgiftung selber habe ich (wie die anderen auch) gut in Erinnerung - sie haben mir viel gegeben. Dieses Mal war die "Ausschließlichkeit" - die 100%ige Erkenntnis der Abstinenz das Ergebnis... Ich kann bis heute nicht sagen, was mich dazu geführt hat, WIRKLICH NEIN zu sagen - zum Alkohol. Ich habe zu dieser Zeit natürlich auch bei der Diakonie meine "Motivationsphase" (Gruppen-Therapie) angefangen, die vorbereitend für meine spätere Ambulante Psychotherapie war.

... naja, ich war auf jeden Fall zu der Zeit NACH meiner Entgiftung, wenn ich jeden Morgen meinen "Tag" in mein kleines Kalender-Büchlein eintragen konnte. Und ich musste es immer bei mir tragen, so wie meine Geldbörse. Heute nehme ich es nur mit, wenn ich Termine außerhalb habe. Dennoch ist es heute noch Pflicht, dass ich den Tag eintrage. *schmunzel - meine Süße erinntert mich jeden Tag daran, ob ich schon meinen Tag eingetragen hätte... Sie weiß eben, dass es mir sehr wichtig ist.

Nach meiner letzten Entgiftung habe ich die Motivations-Phase (1 x in der Woche Gruppen-Therapie in der Diakonie Düsseldorf) "durchlaufen" - für mich eine wichtige Vorbereitungszeit vor der eigentichen Ambulanten Psychotherapie, die im September 2005 begann. Der Vorteil bei der Motivations-Gruppe war, dass wir ständig mit neuen "Fällen" konfrontiert wurden. Und das Hauptthema war natürlich der Alkohol (im Gegensatz zur ambulanten Thera - dort ging es mehr um die Psyche...), mit all seinen Tücken, wie Rückfall usw. Aber auch Ursachenforschung wurde diskutiert, WAS alles der Alk mit uns gemacht hat, wie wir uns schützen können (Notfallkoffer) uvm. Glücklicher Weise kamen nach der Motivations-Phase mit mir 4 Teilnehmer in die ambulante Thera...

... so, jetzt sind wir bei der Ambulanten Psychotherapie angekommen. Sie dauerte genau ein halbes Jahr (Oktober 2005 – März 2006) - und das war wohl die wichtigste Zeit in meinem Leben. Hier lernte ich nicht nur über mich sehr viel, sondern auch ich spürte meinen Körper wieder (durch die Bewegungs-Therpie) und erkannte, dass ich durch Bilder viele „Zustände“ aus meiner Vergangenheit und Gegenwart ausdrücken konnte. Die intensive Thera bestand also aus 3 Teilen: Kreativ-, Bewegungs- und Gesprächstherapie. Durch diese Kombination habe ich viele Erkenntnisse gewonnen – ja, ansatzweise die Ursachen gefunden, warum ich zum Alkoholiker geworden bin. Und das reicht bis in meine Kindheit zurück.

Das Wort Erkenntnis ist für mich das Schlüsselwort in der Therapie geworden. Mir bewusst werden, dass viele Dinge, die ich tue und getan habe, eine Ursache hat, dass viele logische Abläufe in unserem Leben – logische Konsequenzen hat. Das klingt jetzt so einfach – und die realistische Umsetzung IST auch einfach, wenn ich mir MIR einen Partner habe, den ich 100%ig vertrauen kann, wenn ich mit MIR ehrlich und in reinem bin. Ich belüge mich nie wieder, ich werde mir nichts mehr vormachen... Dazu habe ich zu viel Mist gebaut, wo das hinführte, ist ja annähernd bekannt. Denn ich weiß, wenn ich in das alte Denkmuster wieder zurückfalle – werde ich kurz über lang wieder trinken. Ohne Wenn und Aber. Ich weiß das. Denn wenn ich anfange, ganz langsam, wieder an mir zu zweifeln, wenn ich anfange Dinge vor mir herzuschieben, wenn ich anfange, drumrum zureden und zuhandeln, drehe ich mich wieder im Kreis... Ich bekomme dann wieder ein schlechtes Gewissen, werde schwach, suche Trost, flüchte, und mein Tröster, der über 20 Jahre lang mein Begleiter war, der ALK – wird wieder da sein. Und dann mein Ende.

Und dieses Risiko gehe ich nicht wieder ein. Aber ich weiß – so klug, wie ich jetzt diese Worte hier schreibe – ist das alles gar nicht. Die Theorie ist gut. Ich weiß, dass ich es weiß – aber ich muss mir immer und jeder Zeit bewusst machen – dass es so ist. Deshalb schreibe ich hier, deshalb besuche ich ein anderes liebes Forum
(siehe oben), deshalb gehe ich ein mal in der Woche zur Selbsthilfegruppe (Kreuzbund Arnsberg) – um „am Ball“ zu bleiben. Und das werde ich ein Leben lang tun...

... ja, nach meiner sehr erfolgreichen und ereignis-/erkenntnisreichen Ambulanten Psychotherapie folge von März - Mai 2006 die Nachsorge. Hier, in der "Meister-Runde", wie meine Therapeutin sagte, sollten wir das Gelernte und Erkannte in das tägliche Leben umsetzen. Bei den Gruppentreffen ging es hauptsächlich um den Alltag, um Beziehugnen, Arbeitsverhältnis usw. Um Grunde was das ein Ausklang der doch anstrengenden Thera zuvor. Aber auch das hat wieder Spaß gemacht und ich habe viel mitgenommen.

Wie ich überhaupt sehr viel aus dieser Zeit bei der Diakonie Düsseldorf mitgenommen habe. Und nicht nur die wahnsinns Erkenntnisse, nein - auch einige Katastrophen, wie natürlich die Rückfälle. Sogar in der Nachsorge hatten wir einen Rückfall, also ein Mensch, der über ein Jahr "dabei" war - kam alkoholisiert zur Gruppe. Hatte der Nerven. Und raus kam das, weil ein Gruppenmitglied während der Sitzung gemeint hatte "Ich glaube, ich rieche Alkohol"... Ohje, das war dann eine gespannte Stimmung - das kann sich ein "normaler" Mensch gar nicht vorstellen. Und derjenige hatte sich nicht sofort gemeldet, erst nach längerer Diskussion (wir standen kurz vorm "Pusten") meldete er sich kleinlaut... Wir konnten es nicht fassen, gerade ein Menschlein, von dem wir es nicht erwartet hatten. Er hatte in der Nach ne Flasche Korn getrunken - er war also noch "stramm", als er in der Gruppe saß. OK, wir haben es ihm nicht angesehen - aber Nerven hatte der schon, überhaupt dort zu erscheinen. Und der Clou: er konnte uns nicht erklären, WARUM er getrunken habe. Eine Woche zuvor hatte er noch eine Flugstunde. Naja, das war schon so ein Schlag - aber ein wichtiger. Er war danach total fertig, das Ende vom Lied - er ging wieder zur Entgiftung und die ganze Prozedur fing von vorne an...

 

 

...Zum 15. April 2007...

... heute habe ich Geburtstag!  Meinen 2. feiere ich nämlich und zwar in meinem zweiten Leben. Ohne Alkohol. Was habe ich alles in meinem neuen Leben erlebt - mir kommt es so viel länger vor... Ich denke, das hängt damit zusammen, weil ich viele Dinge sehr viel bewußter sehe und aufnehme. Das sehe ich in vielerlei Situationen so - z. B. sehe ich sehr viele Kleinigkeiten, die mir früher nie aufgefallen sind. Ich höre viel mehr Geräusche, die früher überhört habe (trotz Tinitus). Und ich erfasse vorallem viel mehr an Geistigem, an Situationen, die einfach passieren... Wenn ich denke, denke ich oft zuende und zerschlage nicht immer meine angefangenen Gedanken. Ich laufe nicht mehr weg vor Schwierigkeiten, ich gehe sie meist direkt an.

Vorallem aber belüge ich mich nicht mehr. Kein Selbstbetrug und gleichzeitig keine Lügerein und Spielereien gegenüber andere... Auch, wenn es manchmal weh tut. Das kann ich mit gutem Gewissen behaupten, und das Gefühl ist einfach wunderbar. Keine elendige Lasten mehr mit sich herumschleppen, keine Ausreden mehr (ich war das sehr phantasievoll) und keine drum-rum-Gerede... Viele Dinge muss ich noch lernen, sei es konsequenter zu werden oder Entscheidungen zu treffen. Damit habe ich noch wirklich meine Schwierigkeiten. Aber auch daran arbeite ich. So wie das ganze Dasein - eine Arbeit an sich selber ist. Ich darf und werde mich NIE vernachlässigen oder gar vergessen. Auch wenn ich hier auch noch meine Defizite habe...

Heute vor genau 2 Jahren habe ich aufgehört zu trinken. Das war gleichzeitig mein 1. Tag in meiner letzten Entgiftung in Neuss (bei Düsseldorf). Von da an sollte sich mein Leben anders gestalten. Und verändern. Insofern, dass ich (diesmal) KONSEQUENT mein Umfeld gemieden habe und meiner Alk-Vergangenheit den "Kampf" angesagt habe. Das Gewesene kann ich nicht ändern aber das Kommende kann ich ANDERS angehen. Und das habe ich gemacht. Wenn auch mit Unterstützung von außen, aber es hat bis heute geklappt. Es war nicht einfach, die Hilfe anzunehmen. Und es zuzulassen, dass mir bewußt wurde, dass ich sehr krank war. In gewisser Weise werde ich immer krank bleiben - der Alk wird NIE wieder über meine Lippen kommen...

Alleine schon, weil ich meine wunderbare Beziehung NIE gefährden möchte. Meine Liebste ist während meiner Therapie als weitere "Säule" in mein Leben getreten, ungewollt und unbewußt... Sie war auf einmal da - und ich weiß nicht so Recht, wenn oder was ich dafür danken soll. Es ist halt geschehen - Ich danke UNS dafür... (*zwinker zu Marion)

 

Mein "Trockenes Tagebuch" führe ich sporadisch in unserem Forum, direkt kommt Ihr drauf, wenn Ihr hier klickt: http://sauerlandseelen.foren-city.de/topic,69,-frank-s-trockenes-tagebuch.html (Müsstet Euch allerdings vorher registrieren - kostenlos natürlich)

Kostenlose Homepage von HpS4u
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der/die Autor/in