Eigenes Bild Nr. 2

Mein lieber, ach was, mein allerliebster Carlo!
Heute muss ich dir mal schreiben, Du weißt ja gar nicht, was in der Zwischenzeit hier alles passiert ist. Bitte entschuldige, dass ich mich letztes Jahr nicht gerührt habe. Da waren doch die neuen kleinen Miezen (die hätten Dir auch gefallen!), die ich an ein Leben im Haus gewöhnen musste. Die wussten noch nicht einmal, dass es Katzenklo´s gibt. Das hätte Dir weniger gefallen, Du warst so ein überaus reinlicher Kater. Stell Dir vor, die haben sogar ins Bett ...
Das musst Du unbedingt auch wissen: Martin will sich mit seiner Freundin - die kennst Du doch, die Blonde, der Du so gefallen hast - ein Haus kaufen, damit die zwei Katzen endlich raus können. Und Bernd, der mal zu Dir gesagt hat, dass Du ein eigenartiger Kater bist, der studiert jetzt in Köln und nervt nicht mehr mit seiner ewig lauten Gitarre. Mit Daniela hat er sich verkracht, die war Dir immer etwas unheimlich, vor allem, wenn sie in der Küche hantierte.

Die Bäume im Garten sind gross geworden, Du müsstest ganz schön suchen nach einem sonnigen Plätzchen jetzt im Herbst. Den Liegestuhl gibt´s leider nicht mehr, der ist verheizt. Naja, er war morsch. Wir liessen ihn doch immer draussen für Dich und die andern. Aber Deinen Lieblings-Biergartenstuhl, den haben wir noch. Da sitzt jetzt immer das Rapunzelchen drauf, allerdings nur mit Kissen. Lach nicht, die sind nicht so wie Du, die haben es bisher immer schön gehabt. Die wissen nicht, wie es ist, wenn man heimatlos, abgemagert, mit knurrendem Magen, verlaust und voller Flöhe umher irrt und Angst hat vor allen Menschen. Die kämen gar nicht auf die Idee, sich vom Komposthaufen zu ernähren oder Kartoffeln zu essen. Okay, Du hast die Kartoffeln nur wegen der Sahnesosse verschlungen, ich weiss es schon noch, auch wenn das jetzt elf Jahre her ist.
Moritz, Deinen Kumpel, haben wir kurz nach Dir verloren. Ach so, das weisst Du ....Und mit Bärle spielst Du immer? Das wundert mich jetzt, sie wollte doch immer in Ruhe gelassen werden.
Wenn Du mich sehen könntest, im Moment: Ich sitze hier am Schreibtisch, Rapunzel auf meinem Schoss quengelt, will gestreichelt werden, will schmusen. Gleich springt sie auf die Akten, wie Du, ganz genau wie Du -
Früher waren Deine schwarzen Haare auf meinen weissen Kleidern, heute sind es die weissen Haare von Rapunzel auf den schwarzen Klamotten. Verkehrte Welt.
Übrigens, das blöde Kartenspiel im Computer mache ich nicht mehr. Dich hat´s gefreut, nicht wahr? Schön geschlafen hast Du auf meinen Beinen, aber heute nutze ich meine Zeit sinnvoller. Das hast ausgerechnet Du mich gelehrt.
Du willst wissen, ob ich das Auto immer noch besitze? Ja, ein schreckliches Gefährt, Du hast es gehasst und Dich laut beschwert in Deinem Korb. Aber es musste doch gelegentlich sein! Deine Zähne waren so schlecht und dann kam das Fieber.
Du versuchtest Dich durch den kleinen Schlitz am Deckel zu zwängen, als ich Dich im Wartezimmer kurz abstellte, weil mir eine Frau stolz ihr Katzenbaby zeigen wollte.
Das war nicht ganz in Ordnung, stimmt, Du warst der Patient ! Ich wusste doch nicht......

Der Korb steht wieder auf dem Schrank, ich brauch ihn für die anderen. Ich wollte ihn eigentlich weg tun wegen der entsetzlichen letzten Fahrt, wegen dem schwarzen Blut, das Du erbrechen musstest, schon halbtot.

Der Arzt war ein Scharlatan, ein Nichtskönner, ich habe es jahrelang nicht bemerkt, das ist unverzeihlich. Er hat Dich nicht einmal richtig untersucht. Er hat Deine Krankheit nicht erkannt. Was hattest Du denn wirklich?
Als ich endlich einen gewissenhaften Doktor fand, war es zu spät.

Gott sei Dank geht es Dir jetzt wieder gut, darüber bin ich unendlich froh.

 

 

 

Eigenes Bild Nr. 6

 

 

Moritz,
verzeih mir, dass ich dich nicht haben wollte damals im Herbst. Du hattest dich eingeschlichen, kamst zuerst immer nur zum Fressen, dann bliebst du auf der Terrasse, schliefst auf einem Stuhl, bis es abends zu kalt wurde, dann wolltest du ins Haus. Du warst damals die vierte Katze in unserem Haushalt und ich wollte dich nicht haben, es war Stress genug mit meiner zuckerkranken alten Tinka. Als hättest du es gewusst, du warst unauffällig, hast fast den ganzen Tag geschlafen, naja, dachte ich, wenn du so bist, dann geht es.
Verzeih mir, dass du nicht die Nummer eins warst bei mir, die war schon vergeben an Carlo, meinen schwarzen Kater.
Du warst eine merkwürdige Katze, deine eine Pupille war immer viel grösser als die andere, ein Bein war länger, was dir einen etwas komischen Gang verlieh, aber du warst lieb. Du hast niemals gekratzt, du hast dich überall streicheln lassen, ich hielt dich irgendwie für behindert. Als du deine erste Maus heim brachtest, wollte es keiner glauben, dass du so was überhaupt kannst. Auch hast du dich manchmal gehörig gestritten mit Carlo, du hast ihn richtig angefallen, mit riesigem Geschrei. Verzeih mir, dass ich dich damals angebrüllt habe.
Du musstest kastriert werden. Ein erstes Gefühl (Mitleid?) empfand ich zu dir, als du so in Narkose dalagst, du hattest krampfhaft versucht wach zu bleiben. Als du nach der Narkose wieder voll da warst, hast du dich lautstark bei mir zurückgemeldet, da war ich gerührt. Du warst einfach immer da, du unternahmst keine Ausfluege, du lagst bei schönem Wetter draussen und wenn ich meinen Carlo streichelte, drängtest du dich dazwischen, ich habe dich auch gestreichelt.
Dann kam die schreckliche Zeit, Carlo wurde schwer krank, in dieser Zeit habe ich keine Erinnerung, was du da gemacht hast. Es gab bei Carlo zwei Diagnosen: Katzenleukose und Nierenversagen, es war egal, er musste sterben.

Verzeih mir, dass du auch danach nicht die Nummer eins warst, aber ich habe dich mehr zur Kenntnis genommen. Ich wollte alles besser machen bei dir, die Zähne in Ordnung bringen, dich impfen lassen. Also gingen wir zum Tierarzt. Dieser stellte Niereninsuffizienz fest, bei dir, auch bei dir, obwohl du doch noch jung warst, ich schätzte dich auf ca. drei Jahre. Die Zähne wollte der Tierarzt nicht behandeln, wegen des Narkose-Risikos. Ich habe dich bewundert, als der Arzt dir einen schlechten Zahn ohne Betäubung entfernte, du warst tapfer, du hast nicht geschrien.
Verzeih mir alles, was danach kam. Ich war verzweifelt, ich wollte alles tun, damit du am Leben bleibst, nicht nur für mich, du warst doch noch jung!!
Du bekamst dreimal eine Infusion, du warst dazu in einem grossen Kaefig und du hast es über dich ergehen lassen, warst so brav, so ruhig. Als ich dich nach fünf Stunden wieder holte, hast du mir das ganze Gesicht abgeschleckt und hast dich so gefreut. Ich war sehr gerührt.
Verzeih mir, dass ich dir täglich Frischzellenspritzen verabreichte, dich mit Vitamin-paste vollstopfte, ich hoffte auf Besserung. Ich brachte auch den Tierarzt dazu, dir doch die Zähne zu behandeln, du rochst fuerchterlich aus dem Maul. Die Narkose hast du ueberlebt, aber besser ging es Dir nicht.
Am Ende habe ich dich vollgepumpt mit Ringer-Lactat-Loesung. Riesige Mengen unter die Haut. Du hast es alles mit dir machen lassen, verzeih mir.
Es hat nichts genützt.
Als du dich apathisch in eine Ecke verkrochst, war alles klar.
In deinem Transportkorb hast du geschnurrt. Ich habe bis zur letzten Sekunde beruhigend mit dir gesprochen, versucht, ruhig und fröhlich zu sein.
Du liegst in unserem Garten begraben, ich gehe jeden Tag an dir vorbei.
Moritz, ich hab´ dich lieb.

 

 

 

Tinka, liebe Tinka, Du warst eine so sanfte Katze. Ich erlebte Dich nur einmal als Raubtier, als Martin auf die blödsinnige Idee kam, Mieze Deine Babies zu zeigen. Er hat es bereut - Arme und Gesicht verkratzt, weil er Mieze in die Garage trug, wo Deine süssen Babies lagen. Sonst bist Du vor Mieze davon gelaufen, sie war ein Drachen zu anderen Katzen.
Ja, es war nicht leicht für Dich damals, Du solltest ins Tierheim, Deine Besitzerin hatte eine schwere Allergie. Wir haben dich aufgenommen, trotz Mieze, und am Anfang hast Du im Keller gelebt, wegen Mieze. Als wir dann eines Deiner Kinder zu uns holten, hast Du es leider nicht mehr gekannt.
Es ging so halbwegs mit Euch drei Damen, dann kam Carlo dazu, der Eure Übermacht jedenfalls akzeptierte. Du warst bestimmt heilfroh, als es Mieze eines Tages nicht mehr gab.
Neun Tage warst Du verschwunden. Kannst du mir nicht wenigstens jetzt erzählen, wo Du warst? Weisst Du, wie verzweifelt ich war und jeden Tag hoffnungsloser? Als Du vor der Tür standest, dachte ich, jetzt wäre ich verrückt geworden. Entschuldige bitte, dass ich Dich an dem Tag mit Leine ausführte, ich hatte solche Angst, Du würdest wieder verschwinden.

Erinnerst Du Dich noch an Deinen Sturz? Ich hätte nie gedacht, dass Katzen stolpern können, arme Tinka, Dein Näschen war blutig, Du hattest eine Treppenstufe übersehen.

Wir haben es doch gut hingekriegt, oder? Deine täglichen Insulinspritzen, meine ich. Du hast ganz genau gewusst, wenn ich mit der Spritze kam, Du hast manchmal schon vor dem Einstich gemaunzt, aber Du warst geduldig mit mir.
Ja, es ging ein Jahr gut, dann machten die Nieren nicht mehr mit. Du hattest Dir einen ständigen Platz eingerichtet neben dem Wassertopf, Du wurdest immer weniger, das Fell struppig, die Augen stumpf.

Du hast es gewusst, Tinka, ich werde Deinen Blick in der Arztpraxis nie vergessen, es schien, als wolltest Du mich beruhigen, Dich entschuldigen.


Warum habe ich den Arzt nicht zurecht gewiesen, als er Dich in Deine Lache schob? Deine Blase war doch schwach.

Warum habe ich den Arzt nicht um eine Narkose gebeten, die keine Übelkeit verursacht?

Warum hat er mich mit Dir, einer sterbenden Katze, allein gelassen?

Ich habe es nicht geschafft, Dich ruhig und ohne Tränen gehen zu lassen, aber glaub´mir: ich mach´s wieder gut, wenn wir uns wiedersehen, versprochen!

 

 

 

 

Eigenes Bild Nr. 5





Bärle, Bärle, es ist unglaublich, ein Jahr ist um. Es war der 8.8., das kann ich mir gut merken, ein schrecklicher Tag, den ich schon beim Aufwachen lieber ausfallen lassen wollte. Den Tag vorher war es klar geworden, es ging nicht mehr, Du warst am Ende, ganz schwach und unsicher auf den Beinen bist Du heim gekommen, hast ein bisschen Lieblingsfutter genommen und bist dann hinter den Ofen gekrochen.

Ich musste Dich diese Nacht einsperren, nicht böse sein, es ging nicht anders. Als Du, so schwach wie Du doch warst, an der Tür gekratzt hast, kamen mir die Tränen. Du hast immer an allen verschlossenen Türen gekratzt, bis jemand öffnete. Bernd und Martin hat das oft genervt, Du warst aber ihr Liebling und durftest zu ihnen ins Bett, hast Dich bestimmt besonders gefreut, dass Bernd so ein Langschläfer war. Sie haben Dich im Juli nochmal gesehen, als sie beide zu Besuch hier waren, sie haben beunruhigt festgestellt, dass Du so dünn geworden warst, Bärle, Du warst früher wirklich richtig dick! Und trotzdem bist Du fünfzehn Jahre alt geworden.

Die letzten drei Jahre warst Du krank, zuerst kaum auffällig, Du hast mehr getrunken, ansonsten warst Du wie immer. Zucker oder Nieren? Ich hatte Angst, dass Du die Diabetes Deiner Mutter geerbt hättest. War es richtig, Dich nie untersuchen zu lassen? Aber ich hätte Dich niemals spritzen können, so wie Tinka, Du hast es nicht gewollt, dass ich Dich länger anfasse, leider. Hattest Du Angst vor mir? Ich weiss es nicht, ich war darüber oft traurig.

Ich denke, Du wärst gerne eine Einzelkatze gewesen, es war Dir nicht vergönnt, immer waren andere da oder kamen Neue hinzu. Stimmt´s, Du hast es mir übel genommen, dass ich Dich zu Mieze nahm, dem alten Drachen, der Dich überall brummend und fauchend verfolgt hat. Vier Jahre Deines Lebens musstest Du mit ihr verbringen, das tut mir sehr leid, ich war dumm damals, als ich zu einer älteren Einzelkatze Dich junges süsses Ding nahm.

Während Du Carlo und Moritz ziemlich gelassen zur Kenntnis nahmst, warst Du bei Rapunzel sehr verärgert. Dabei war sie noch ganz klein. Du wolltest ihr mit Deinem Fauchen und Brummen einen ordentlichen Schrecken einjagen. Als dann Rapunzel´s Mutter und Geschwister auch noch kamen, hast du aufgegeben. Du zogst Dich immer mehr zurück, nach draussen, in den Keller.

In den letzten Wochen habe ich Dich oft draussen gesucht, ich hatte Angst um Dich, fand Dich aber nicht und die Vorstellung, dass Du draussen irgendwo stirbst, war unerträglich.

Die Bilder aus der Arztpraxis möchte ich vergessen, Dein Blick, Deine grossen Augen, die mich fragend und ängstlich ansahen.

Nein, ich will mich nur an die schönen Zeiten erinnern - und irgendwann werden wir uns davon erzählen. 

 

Kostenlose Homepage von HpS4u Datenschutz
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der/die Autor/in